Kürzere Ruhezeiten?

BAuA weist auf gesundheitliche Risiken hin

Die Digitalisierung in der Arbeitswelt schafft neue Möglichkeiten zur Flexibilisierung von Arbeitszeit und Arbeitsort. Immer häufiger wird gefragt, ob die 11-stündige, zusammenhängende Ruhezeit zwischen dem Feierabend und dem Wiederbeginn der Arbeit, die das deutsche Arbeitszeitgesetz vorsieht, noch zeitgemäß ist. Die Bundesanstalt für Arbeitsschutz und Arbeitsmedizin (BAuA) hat in ihrer Arbeitszeitbefragung 2017 erstmalig auch die Ruhezeiten von Beschäftigten erfragt.

Jede*r fünfte Beschäftigte hat zu kurze Ruhezeiten

Die Analysen der BAuA1) lassen erkennen: Bei rund jeder/jedem fünften Arbeitnehmer*in in Vollzeit fällt die Arbeitsunterbrechung schon heute mindestens einmal im Monat kürzer als elf Stunden aus. Mit 39 % am häufigsten betroffen sind Beschäftigte im Gesundheitswesen, wo allerdings auch gesetzliche Ausnahmeregelungen zur Verkürzung der Mindestruhezeit existieren. Mit 33 % bzw. 30 % folgen der Gastronomie- und Tourismusbereich sowie der Sicherheitsbereich. Weiterhin berichtet – branchenunabhängig – rund ein Viertel der Führungskräfte über verkürzte Ruhezeiten. Auch bei Beschäftigten mit Telearbeit tritt dies häufiger auf.

Negative Auswirkungen auf Gesundheit und Work-Life-Balance

Eine verkürzte Arbeitsruhe bringe vor allem gesundheitliche Probleme mit sich – so die Expertinnen und Experten. So litten Arbeitnehmer*innen mit kürzerer Arbeitsruhe häufiger an psychosomatischen Beschwerden wie Rückenschmerzen, Schlafstörungen oder emotionaler Erschöpfung als solche mit mindestens elf Stunden Ruhe. Auch die Work-Life-Balance verschlechtere sich signifikant. Dieser Zusammenhang bestehe unabhängig von der jeweiligen Tätigkeit und gelte somit für alle Beschäftigten.

Lange Arbeitszeiten und Überstunden

Ein weiteres Ergebnis: Verkürzte Ruhezeiten gehen oftmals mit langen Arbeitszeiten und Überstunden einher. Das Risiko, die elfstündige Arbeitsruhe nicht einzuhalten, ist umso größer, je längere die Tages- und Wochenarbeitszeiten der Beschäftigten sind.

Regelungen zur Nichterreichbarkeit spielen eine wichtige Rolle für die Erholung

Selbst bei einer seltenen Verletzung zeigen verkürzte Ruhezeiten negative Zusammenhänge zwischen Gesundheit und Work-Life-Balance. Auch für Beschäftigte ohne schwere körperliche Arbeit, die flexibel im Home-Office arbeiten, stellt Erholung einen entscheidenden Faktor dar. Eine zentrale Rolle spielen dabei auch Regelungen zur Nichterreichbarkeit außerhalb der Arbeitszeit.

Kritisch auch im Hinblick auf den Schlaf

Verkürzte Ruhezeiten sind zudem im Hinblick auf Schlaf kritisch zu betrachten. Zieht man die empfohlene Schlafdauer von acht Stunden ab, bleiben bei einer Verkürzung der Ruhezeit für Körperpflege, Mahlzeiten, Freizeitaktivitäten und soziale Kontakte nur noch ein bis zwei Stunden, in denen ggf. zudem noch Wegezeiten bestritten werden müssen.

Arbeitszeitgestaltung muss auch Bewertung von Ruhezeiten einschließen

Aus Sicht des Arbeitsschutzes stellen die geltenden gesetzlichen Ruhezeiten einen Mindeststandard dar, dessen Einhaltung für eine gesunde Arbeitszeitgestaltung maßgeblich ist. Aus arbeitswissenschaftlicher Sicht ist die Absenkung der Mindestruhezeit abzulehnen. Vielmehr sollten sogar bestehende Ausnahmeregelungen kritisch reflektiert werden. Neben der Länge der Arbeitszeit ist bei der Gestaltung von Arbeitszeiten in Betrieben immer auch die Ruhezeit zu bewerten.